WERKBESCHREIBUNG - Offering

Dieses Werk ist Teil eines fortlaufenden Zyklus, der sich mit den ambivalenten Zuständen der heutigen Existenz beschäftigt.

Titel Offering

Medium: Acryl und Assemblage auf Leinwand

Jahr: 2026

Format: Hochformat (24 x 30 Zoll)

Farbraum: Violett, Aubergine und dunkles Blau bestimmen das Reich der Toten. Leuchtende Grün-, Mint- und Gelbgrüntöne bilden die Welt des Lebens. Der zinnoberrote Verschluss, die goldene Opfergabe sowie helle und schwarze Applikationen setzen die zentralen Akzente.

Stilistische Einordnung: Geometrisch-konstruktive Farbflächen treffen auf unregelmäßige Schwammstrukturen und plastische Applikationen. Die klare, gefaltete Außenwelt steht einem dunkleren, atmosphärisch verdichteten Innenraum gegenüber.

„Offering” entstand aus einer Veranstaltung bei Temenggong Artists-in-Residence in Singapur, die sich mit chinesischer Ahnenverehrung und der fortdauernden Beziehung zwischen Lebenden und Toten beschäftigte. Offering fragt, was die Lebenden den Toten schulden – und wie viel Macht die Toten über das Leben behalten dürfen.

Fürsorge für die Toten
Die vier hellen, an den Innenraum gebundenen Fragmente stehen für aufeinanderfolgende Generationen, die durch Erinnerung und Ritual in der Familie gegenwärtig bleiben. Über den roten Ausleger wird ihnen eine goldene Gabe gereicht. Sie kann Dankbarkeit, Respekt und das Bedürfnis ausdrücken, eine Beziehung über den Tod hinaus fortzuführen.

Der violette Raum erscheint dabei nicht leer, sondern verdichtet und kaum vollständig erfassbar. Die Toten sind der sichtbaren Welt entzogen, bleiben jedoch Teil einer familiären und kulturellen Ordnung.

Schutz der Lebenden
Der rote Verschluss begrenzt den Einfluss der Totenwelt. Sein schmaler Schlitz ermöglicht die Gabe, verhindert aber eine ungehinderte Bewegung in die Gegenrichtung. Das dunkelviolette Fragment nähert sich dieser Öffnung und verweist auf das, was nicht befriedet oder in die Ordnung der Erinnerung aufgenommen ist.

Die grüne Außenwelt behauptet demgegenüber ihre eigene Kraft. Ihre wechselnden Lichtfelder, unregelmäßigen Strukturen und die plastische, geöffnete Form im unteren Bereich stehen für Wachstum, Veränderung und die Eigenständigkeit des Lebens. Erinnerung darf bestehen, aber sie darf das Leben nicht vollständig besetzen.

Konklusion
“Offering” stellt Fürsorge und Abgrenzung als zwei gleichberechtigte Bedürfnisse dar. Die Gabe hält die Verbindung zu den Toten aufrecht; der Verschluss schützt zugleich die Freiheit der Lebenden. Die Grenze bleibt offen genug für Erinnerung – und geschlossen genug für das Leben. Das Bild folgt dem Prinzip der Integrität von Ambivalenz.

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