
Dieses Werk ist Teil eines fortlaufenden Zyklus, der sich mit den ambivalenten Zuständen der heutigen Existenz beschäftigt.
Titel Traumland
Technik: Acryl auf Leinwand
Jahr: 2024
Format: Querformat (18 × 24 Zoll)
Farbraum: Reduzierte, symbolisch aufgeladene Farbpalette mit dominanten Rot-, Blau- und Goldtönen, ergänzt durch Schwarz und gedeckte Naturfarben. Die Farben sind bewusst intensiv und teilweise unnatürlich gesteigert eingesetzt. Sie dienen weniger der realistischen Darstellung als der emotionalen, kulturellen und ideologischen Codierung von Bedeutung, Spannung und innerem Konflikt.
Stilistische Einordnung: Zeitgenössische, geometrisch-symbolische Malerei mit Einflüssen konstruktivistischer Ordnungssysteme und spirituell-kultureller Bildsymbolik. Das Werk verbindet reduzierte Formensprache mit narrativer Tiefe und bewegt sich zwischen Abstraktion und symbolischer Figuration.
„Traumland“ vereint Torii, Sonne, Mond, Wasser, Berge und Meereswesen zu einer stillen, spannungsvollen Komposition. Was zunächst harmonisch wirkt, zeigt bei näherem Blick Brüche, die innere Konflikte andeuten.
Verbundenheit und kulturelle Tiefe
Das Torii markiert die Schwelle zwischen sichtbarer und unsichtbarer Welt. Sonne und Mond stehen für den Rhythmus von Tag/Nacht, Aktivität/Ruhe. Ein Wal trägt einen goldenen Ball: Balance, Weisheit, Verantwortung. Die Form deutet zugleich eine Chrysantheme an - das kaiserliche Siegel - als Zeichen für Vollkommenheit und Würde. Berge und Wellen verbinden Beständigkeit und Wandel; das Bild würdigt eine Kultur, die Natur, Spiritualität und Ordnung als miteinander verflochten begreift.
Brüche unter der Oberfläche
Kritisch gelesen kippt die Harmonie: Die unnatürlich rote, aufgehängte Sonne wirkt wie ein kontrolliertes, ideologisch aufgeladenes Machtzeichen. Dass sie sich nicht im Wasser spiegelt, während dort nur der Mond erscheint, zeigt die Kluft zwischen äußerer Ordnung und innerer Wirklichkeit; das Wasser wird zum Raum des Verdrängten und Unausgesprochenen.
Die strenge Geometrie und die gezähmte Natur suggerieren Konformität und Hierarchie, wobei äußere Stärke innere Konflikte verdeckt, was zu Druck, Erschöpfung und stiller Selbstverleugnung führt.
Konklusion
Das Werk zeigt Liebe zur Kultur und zugleich ihre Widersprüche. Ambivalenz bleibt sichtbar: Spiritualität/Ideologie, Harmonie/Kontrolle, Zugehörigkeit/Freiheit – daraus gewinnt das Bild seine Tiefe, charakteristisch im Sinne der Integrität von Ambivalenz.
