
Dieses Werk ist Teil eines fortlaufenden Zyklus, der sich mit den ambivalenten Zuständen der heutigen Existenz beschäftigt.
Titel Prejudged
Medium: Acryl auf Leinwand mit reliefartig aufgesetzten Quadraten
Jahr: 2026
Format: Hochformat (24 x 30 Zoll)
Farbraum: Polarer Kalt-Warm-Kontrast aus kühlen Blautönen und warmen Gelb-Orange-Tönen; rote Linien als Störung, Elfenbein als aktiver Zwischenraum
Stilistische Einordnung: Geometrisch-konstruktive Figuration mit kubistischer Abstraktion, farbfeldhafter und diagrammatischer Bildsprache
„Prejudged” zeigt zwei einander zugewandte Profile, die aus klar gefügten Farbflächen hervortreten. Beide Seiten besitzen eine eigene Ordnung und innere Geschlossenheit. Zwischen ihnen bleibt nur ein schmaler heller Raum. Das Werk untersucht, was geschieht, wenn politische oder weltanschauliche Überzeugungen nicht mehr als begründete Positionen verstanden werden, sondern den Charakter von Glaubenssätzen annehmen.
Die Kraft der Überzeugung
Überzeugungen sind notwendig. Sie geben Haltung, Orientierung und die Kraft, für etwas einzustehen. Wer jede Position sofort relativiert, bleibt zwar offen, riskiert aber, sich selbst zu verlieren. Die Festigkeit der Farbflächen steht deshalb nicht nur für Verhärtung, sondern auch für Integrität: für das berechtigte Bedürfnis, den eigenen Werten treu zu bleiben und nicht jedem äußeren Druck nachzugeben.
Die Enge der Gewissheit
Doch Überzeugungen können sich gegen Prüfung immunisieren. Die hervortretenden Quadrate geben dieser geistigen Verengung eine körperliche Form. Die roten Graphen beginnen als ruhige Übereinstimmung, bevor sie in der Annäherung an das Gegenüber in starke Ausschläge der Ablehnung übergehen.
Werden politische Ansichten zu Glaubenssätzen, wird Übereinstimmung leicht mit moralischer Eignung verwechselt. Ein einzelnes Etikett scheint dann bereits über den ganzen Menschen zu entscheiden. Begegnung findet nicht mehr statt, weil das Urteil ihr vorausgeht. Ähnliches geschieht in Freundschaften, Familien oder Arbeitswelten: Wir suchen nicht länger das Gespräch mit einem Gegenüber, sondern die Bestätigung durch jemanden, der bereits zu unserer Seite gehört.
Konklusion
„Prejudged” Das Werk fordert weder Standpunktlosigkeit noch Einigkeit. Es fragt, ob wir Überzeugungen besitzen können, ohne von ihnen besessen zu werden. Integrität liegt darin, den eigenen Werten treu zu bleiben und dennoch anzuerkennen, dass auch ein festes Urteil unvollständig sein kann. Offenheit beginnt dort, wo Überzeugungen unser Denken leiten, aber nicht beenden.
Das Werk folgt damit dem Prinzip der Integrität von Ambivalenz.
